Aufstiegspolizei in Grün und Weiß!


Sonntag 31.03.2019 – 16:45 Hellersdorf
Wir kamen mit der Empfehlung von 4 Punkten aus den letzten 3 Spielen an einem wahrlich bezaubernden Frühlingstag zur Spielstätte geschlendert.
Die Spiele gegen PSV und Neukölln konnten wir für uns entscheiden, beim Spiel in Lichtenrade waren wir bis zuletzt auf Augenhöhe. Motivatorisch also kein Grund nicht an sich zu glauben. Und das wäre sicher auch nicht ratsam gewesen, denn zum Stelldichein ließ sich VfL aus Tegel nicht zweimal bitten. Die Mannen aus dem hohen Norden, die die Mauer beschützen und noch an die alten Götter glauben kamen als Erster der Realtabelle in die Eilenburger Straße.
Realtabelle? Mit weniger Minuspunkten und 3 noch ausstehenden Spielen gegenüber den Roten aus dem Süden, mit ihrem Gewürzwein und ihrem Eisernen Thron, wage ich vom De-Facto Tabellenführer zu sprechen. Denn auf Seite 12 im Übungsheft Mathematik 3.Klasse steht: Wer bei drei Spielen drei Mal gewinnt, der hat 6:0 Punkte.
Aber wir kennen uns mit Favoriten in der Eile aus. Lichtenrade hatte hier ihre lange erste Saisonniederlage bis, ja bis eben Tegel so sein wollte wie Hellersdorf und Lichtenrade auch 2 Punkte abnehmen konnte. Im Hinspiel liefen wir stark dezimiert auf und verloren am Ende knapp mit 28:24.
Das wollten wir an diesem Spieltag geraderücken und so mussten wir lediglich auf Lars verzichten, der kurzfristig zum Dienst am Volk einberufen wurde.
Wir waren heiß und die Partie konnte losgehen.

Anpfiff!
Und heiß meint heiß. Wir waren in der Abwehr wacher als der VfL im Angriff und andersherum im Angriff schneller als der VfL in der Verteidigung.
5:1 mit herausragenden individuellen Aktionen von Wenzel und Schubert sowie einer Abwehr die von Sekunde eins an auf Betriebstemperatur war.
Und wir ließen auch in den kommenden Minuten nicht nach. Tegel gelang aus dem gebundenen Spiel quasi nix und so mussten gezwungene Einzelaktionen von Klühs und ein 7m von Pertschy reichen. Doch Wenzel N. war das alles egal. Tor Nummer drei gelang ihm ebenso wie zwei sehenswerte Anspiele auf Bruder Wenzel T, der doppelt per Heber verwandeln konnte.
Auszeit Gast – 12:08 Minute – Spielstand 9:3.
#Ansage würden die coolen Kids jetzt sagen. Wir waren bislang ganz klar DAS Team. Die Konzentration muss jedoch oben bleiben, wir wissen gegen wen wir hier spielen.
In der Folge versuchten wir das Tempo ein wenig zu drücken um nach der hohen Intensität der Anfangsphase etwas Kraft zu sparen. Tegel machte es uns aber an beiden Enden des Feldes ein wenig schwerer und so Ertönte der Pausenpfiff und die Anzeige wusste 18:12 für grün.

Vielleicht die stärkste Halbzeit der bisherigen Saison und den Sand im Tegeler Getriebe gut für uns genutzt. Für die Defensive lieferte Hornbach die nächste Palette Zement an, die erste hatten wir schon angerührt. Vorn fanden durch die Bank weg alle eingesetzten Spieler ihre Lücken und 18 Tore in einer Halbzeit ist auch echt nicht so schlecht, schon gar nicht gegen die da.
Kredo für nächsten 30 Minuten: Keine Angst vor der eigenen Courage und selbstbewusst hier weiterspielen. Bislang sind wir hier die deutlich besseren.

Aber die Gäste wollten nicht einfach so ihre Waffen strecken. Was fällt ihnen ein?!
Wir begannen die Halbzeit bedingt durch eine 2-Minuten Zeitstrafe für Schauer 13 Sekunden vor der Halbzeit in Überzahl, nutzten diese aber nicht konsequent.
Im Gegenteil, Sekunden nach dem Auffüllen konnte Tegel das erste Tor der zweiten Halbzeit für sich verbuchen und legte kurz darauf nochmal nach.
Unser Spiel war vorn nicht mehr so gefällig und hinten wurden nun die kleinen Lücken in unserem Abwehrverband konsequent gefunden und genutzt.
Über die Stationen 20:16, 20:18 und 21:19 stand bei 21:21 das erste Unentschieden seit Spielminute eins auf der Zahlenwand. Das Spiel hatte noch 12 Minute zu bieten und es ging von vorne los mit einem klaren Momentum auf Seiten der Nordberliner. Doch wir wollten, wir konnten jetzt nicht abreißen lassen. Wir hatten hier zu viel investiert um hier mit leeren Händen zuhause zu bleiben.
Jetzt war es ein offener Schlagabtausch mit Toren auf beiden Seiten und kein Team konnte sich mit mehr als einem Tor absetzen. Fentz macht 6 Minuten vor Schluss das 25:24 um dann im direkten Gegenzug eine Zeitstrafe zu erhalten. Den fälligen 7m konnte Paul im Tor halten.
Trotzdem legte Tegel zwei Tore nach und so geschah es, dass Schubert bei 58:44 und einem Spielstand von 25:26 an den 7m Punkt tritt.
Druck für den Kapitän. Aber Druck ist nur das Zeug im Ball. 26:26!
Unentschieden und noch 1:15 für beide Teams um das Spiel zu entscheiden.
Tegel versucht mit Druck eine Lücke zu erzwingen, sie finden keine. Eine Kreuzung im Rückraum, eine Gegenbewegung vom Kreis, Übertreten. Abwurf vom Tor.
Die Uhr steht bei etwa 30 Sekunden und wir bekommen nochmal den Ball. Ein letzter Angriff um hier gegen den zweiten Ligafavoriten die zwei Punkte zu behalten.
Nicht zu früh, aber trotzdem möglichst eine gute Chance.
Der Ball lief zweimal herum, auch hier ein Kreuzen, Basler bekommt den Ball und hat die Uhr nicht im Blick. Ein überhasteter Wurf, der Torwart hält, 6 Sekunden auf der Uhr.
Ein langer Ball, ein Tegeler der ihn fängt, Schubert der zurückgeeilt bei 9m vor ihm steht.
Noch 4 Sekunden.
Der Tegeler Spieler prellt einmal, Schubert ist nur noch 5 Meter entfernt, er prellt nochmal, will den hochspringenden Ball aufnehmen um zum 1:1 anzusetzen und greift daneben.
Er ist verwirrt, stolpert in Schubert rein, sein Hals an Schuberts Unterarm, der Ball ist weg, ein banger Blick zum Schiedsrichter. Kein Foul. Das Spiel ist vorbei. Ausgelassener Jubel in Hellersdorf.

Zusammenfassung: Gut das Schubert Sr. nicht auf der Tribüne saß, der hat es immer so mit dem Herzen, wenn es spannend wird. Man könnte mit Blick auf die erste Halbzeit sagen, dass das hier heute ein verlorener Punkt sei. Betrachtet man aber den Gegner und deren derzeitige Form, dann sollte man auch einen Punkt als Gewinn ansehen. Das nicht nur wir eine starke Halbzeit spielen können, sondern auch der VfL ist jedem klar. Wir haben hier aber heute, betrachtet man die kompletten 60 Minuten, absolut gleichwertig gespielt. Mit der Erkenntnis geht auch die Punkteteilung absolut in Ordnung. Tegel kam spät in dieses Spiel hinein, aber wie das Topteams ebenso tun, sie kamen. Wir konnten das Feuerwerk der ersten 20 Minuten nicht über das gesamte Spiel aufrecht erhalten und das ist auch ok. Eine bärenstarke Abwehr hat uns aber am Ende erlaubt eine schwache offensive zweite Hälfte zu tragen und trotzdem ein positives Ergebnis für uns zu erzielen. 3 Punkte gegen die beiden Topteams in Hellersdorf zu behalten ist schlicht bärenstark.
Tegel hat damit nun ebenso viele Minuspunkte wie Lichtenrade und das Meisterrennen biegt auf die Zielgerade ein, als Kopf-an-Kopf-Rennen. Gern geschehen Handballfans.
Und mit dem Wissen um die eigene Stärke fährt es sich doppelt süß zum Ost-Derby nach Köpenick.


Tore: Schubert ( 6/2), Basler (6/2), N.Wenzel (5), Muth (3), T.Wenzel (2), Grätz (1), Fentz (1), Geißhardt (1), Zielke (1)