Wie? Da kräht am Ende kein Hahn nach!

Samstag der 23.03.2019 – 19:00 in Britz.
Déjà-vu…Ich laufe mit meiner Tasche vom U-Bahnhof Blaschkoallee in Richtung Halle.
„Seltsam“, murmle ich vor mich hin. „Irgendwie kommt mir das alles so bekannt vor.“ Ich laufe am Bürgeramt vorbei, das auch von der Optik her auch die Anstalt aus Shutter Island sein könnte.
„Hier war ich doch vor kurzem erst.“, stelle ich unsicher fest. Allerdings war ich auch in jeder Handballhalle Berlins schon öfters. „Ne, hier war ich wirklich neulich erst.“, bin ich mir sicher.
Ich verfalle in einen inneren Monolog: „2 mal in einer Saison in Neukölln? Wie sollte das gehe…ach ja. Wir haben hier Pokal gespielt. Rätsel gelöst. Das war ziemlich scheiße. Echt hoch verloren. Nicht gut gespielt. Und bei Neukölln weißt du auch nie was du bekommst. Ist wie mit nem Döner in Neukölln. Mal mit Käse, Grillgemüse, Zitrone und 6 Saucen – alles dabei und dann mal direkt für den Mülleimer. Lassen wir uns überraschen.“
Das zweite Mal in dieser Saison in Neukölln und das dritte Mal gegen die HSG. Bislang konnte jeweils das Heimteam einen klaren Sieg für sich verbuchen. Dieses mal sollte es anders werden, aus unserer Sicht.
Die Hausherren mussten aus welchen Gründen auch immer auf eine handvoll Starter verzichten. Frimpong war ebenso wenig anwesend wie der Halbrechte, dessen Namen ich schreiben würde, hätte die HSG einen besseren Internetauftritt.
Auf dem Spielberichtsbogen stehen also 10 Spieler, einer davon steht im Tor, nach Adam Riesling sind das 9 Feldspieler. Unsere Farben kamen mit fast voller Kapelle und so war die Marschrichtung klar. Hinten sicher und dann schnell nach vorne, wie man das eben so möchte im Handball.

Anpfiff!
Durch die nominelle Unterbesetzung kam den noch anwesenden Leistungsträgern der HSG noch mehr Verantwortung zu.
Dolata fragte also nicht lange und lies Basler mit einem kurzen 1:1 gegen die Hand nach 35 Sekunden ziemlich alt aussehen.
Unser Halbrechter lässt aber nur ungern vorführen, also glich er doch direkt selbst nach einer Minute aus. Das Spiel war eröffnet und beide Teams schienen angekommen zu sein.
Es gab mehrere einfache Tore auf beiden Seiten und bis zur 10 Minute konnten die Trainer mit ihrer jeweiligen Abwehr kaum zufrieden sein.
Beim Stand von 4:7 nach 10 Minuten führten wir erstmals mit 3 Toren und der Angriff schnurrte wie ein Kätzchen.
Weiterhin war aber die Abwehr zu kritisieren, stimmte doch die Absprache nicht, das Kreisspiel wurde vernachlässigt und die guten Bewegungen der Rückraumspieler wurden erst zu nah am eigenen 6-Meter angenommen.
Wirklich Zugriff bekamen wir erst in den letzten 10 Minuten der Halbzeit und so spielten wir die Führung bis zur Halbzeit 13:15.

So richtig das Gefühl, dass wir das hier verlieren könnten hatten wir nicht. Das Ergebnis zeigt uns aber nur eine 2-Tore Führung. Also irgendwie und so blöd das klingen mag, genau so weiter.
Neukölln hatte eine dünne Personaldecke und das mussten wir nutzen. Spätestens gegen Ende der Halbzeit sollte das doch wohl Wirkung zeigen.

Aber eben erst gegen Ende.
Zu Anfang der zweiten Halbzeit wollten es die Hausherren erst noch einmal wissen: 16:16 nach 35 Minuten und 2 Minuten für uns.
In den nächsten 5 Minuten nach dieser 2-Minuten Zeitstrafe zeigten wir aber, dass wir das hier trotz eines durchwachsenen Spiels wirklich auch gewinnen wollten.
6 der nächsten 8 Tore fielen für den Turn- und Sportverein aus Hellersdorf 18:22 nach 40 Minuten und beim 22:27 in der 53 Minute hätten die Fans gern geglaubt, dass es das hier dann auch mal war.
Leider, so clever und abgezockt wir oft sind, haben wir manchmal Aussetzer im Umgang mit solchen Situationen die zumindest mir nicht einleuchten.
5 Minuten vor dem Ende bekommen wir 2 Minuten für ein Foul, welches man zumindest als unclever bezeichnen kann. Gegner bricht durch die Lücke, von hinten noch gezogen, muss vielleicht nicht sein, aber passiert schon mal. Anschließend an dieses Foul sich aber wegen Meckerns noch die 2×2 Minuten abzuholen, sich damit selbst die Rote Karte verdienen und mindestens 4 der letzten 5 Minuten in Unterzahl spielen ist einfach nicht gut.
Dolata machte den fälligen 7m-Strafwurf rein und es waren nur noch 4 Tore in 5 Minuten, von denen wir 4 in Unterzahl spielten, klasse!
Was war also zu tun? Sieg verwalten? Wir sind nicht der FC Bayern!
Also die Uhr lange runterspielen und vielleicht ein Tor machen. Keine blöden Fouls. Keine weiteren Zeitstrafen und dann mal schauen.
Das mit dem Tor bekamen wir hin. Geißhardt wurde ein paar Zentimeter zu offen auf außen stehen gelassen und nutzte die Möglichkeit um wieder auf 24:28 wegzuziehen, nur damit Dolata im Gegenzug wieder verkürzen konnte.
Trainer Winkhoff löste die Unterzahl durch das Herausnehmen des Torwartes auf und Wenzel ließ sich nicht zweimal bitten um den Ball aus der zweiten Reihe zu versenken.
Was wir nicht gut machten war das mit den Zeitstrafen. Seidenschwarz im Tor erhielt 2-Minuten nachdem er einen im Toraus liegenden Ball vermeintlich aufhob um ihn dann doch liegen zu lassen. 57 Minute, 4 Tore Führung, 2-fache Unterzahl für 2 Minuten. Zum Glück gab es die Uhr und zum Glück gab es einen Mann in Grün mit dem Namen Wenzel.
Denn völlig humorlos nahm dieser sich nach 2 Toren der Neuköllner eine Minute vor Schluss den Ball und fackelte ihn so akkurat in den Winkel, dass bei 3 Toren und noch einer Minute auf der Uhr die Messe wirklich gelesen war.

Zusammenfassung: Mein ehemaliger Trainer Jens Dannies sagte mal: „Als gute Mannschaft muss man auch scheiß Spiele gewinnen.“
Das lass ich hier mal so alleine stehen.

Tore: Schubert ( 6/2), Plotka (6), N.Wenzel (5), Fentz (5), Basler (4/1), Muth (1), Geißhardt (1), Brumm (1), Zielke (1)