Dem Olymp so nah

Sonntag 15:15 Primetime-und einziges Verbandsligaspiel dieses Tages im beschaulichen Hellersdorf.
Gegner war niemand geringeres als der Bezirksnachbar und emotionale Wahlheimat für einige Fußballenthusiasten aus unseren Reihen die (der?) AJAX-Neptun aus Köpenick.
Die griechischen Helden von Trainer Raik Lehmann waren ihres Zeichens Aufsteiger in die Verbandsliga, aber über mehrere Jahre zuvor bereits bestens akklimatisiert und durch die knappen Ergebnisse der letzten Wochen nicht zu unterschätzen.

Wir waren allerdings bislang auch sehr gut drauf in dieser Saison. Mit der Gewissheit um diesen Umstand wollten wir uns im Derby mal so gar keine Blöße geben.

Anpfiff!
Coach Winkhoff vertraute der selben Startformation wie bei der knappen Niederlage vergangene Woche gegen Tegel.
Reinkommen in dieses Spiel wollte diese Formation aber nicht so recht.
Zwar konnte wir das Pari-Pari bis zur 10 Minute halten, aber die Automatismen klickten nicht wie die Wochen zuvor.
Die Köpenicker machten ihrem Namensgeber alle Ehre und kämpften sich zu Tor und Tor und Tor.
Vorn viel es der gewählten Aufstellung zusehends schwerer erfolgreiche Lösungen zu finden.
Beim Stand von 5:7 nach 12 Minuten kam die Auszeit.
Wir ließen ungewöhnlich viel Gegentore zu und die Abwehr wirkte dabei eher unengagiert als überfordert.
Mit Kapitän Schubert kam der Motor des Hellersdorfer Spiels zurück und ab hier lie zumindest die Offensive gewohnt gefällig.
Zwischenstände bei 6:8, 9:10 und 13:13 zeichnen den Weg zum 16:16 Halbzeitstand.

Wir mussten reden. Trojas Mauern hielten Ajax bislang nicht stand. Die Gäste fanden viel zu oft und dann auch noch zu leicht den Weg über und durch unser Abwehrzentrum. Mit eigenen 16 Toren in 30 Minuten kann man sicherlich gut leben, aber das Unentschieden zeigt hier den Makel.
Durch die mangelnde Unterstützung sahen auch unsere Hintermänner nicht gut aus. Also durchaus Luft nach oben. Ein letzter Blick in den Scoutingreport unter „Nice-To-Know-About-Ajax“ wusste zu melden: Erste Halbzeit können sie immer, zweite nur selten. Verlassen wollten wir uns darauf nicht, aber Muster zu kennen ist sicher besser als andersherum.

Und wie das so ist beim Vorführeffekt, man wird vorgeführt.
Ajax kam mit Pathos aus der Kabine und setzte uns weiter unangenehm unter Druck.
2 schnellen Toren zum 16:18 folgte eine ebenso schnelle 2 Minuten Strafe, die unsere Farben wieder nutzen konnten um das Spiel ausgeglichen zu gestalten.
Die folgenden 20 Minuten können in ihrer Offenvisierigkeit sicher mit der großen Schlacht um Troja mithalten. Es ging hin und her. Tor, Gegentor, Ausgleich. Niemand wollte hier und heute zurückstecken. Tod oder Gladiolen heißt es bei den van Gaals.
Nach 52 Minuten gehen wir erstmals 3 Tore in Führung. Schubert fand seine 7-Meter-Stärke wieder und das Team vielleicht die Eule die den Weg zum Sieg weist.
Nix da. Zetzsche erzielt das 27:26 bei noch 6:30 auf der Sonnenuhr.
Jetzt war die Zeit gekommen. Die Köpenicker mögen sich auf einen sterblichen Helden und einen Gott berufen, aber an diesem Tag hatten wir Herkules.
Zielke, seines Zeichens Rechtsaußen in Hellersdorf und vermutlich der kleinste Volljährige in der gesamten Halle, dabei aber so breit wie groß und nicht fähig eine Wohnungstür normal zu durchschreiten, bat zum Schlussspurt.
28:26 bitte schön. 2 Minuten für TuS? Kein Problem! 30:27 bitte schön.
Doch die Gäste blieben weiter dran.
59:00 Auszeit Heimteam. Stand 31:29. Runter spielen. Wir sahen uns zu Spielende einer Manndeckung in Ajax Hälfte gegenüber. Bewegung, Bewegung, Bewegung und vor allem sichere Pässe. Aber heute wollte nichts so recht passen, was wir uns vornahmen.
31:30 noch 42 Sekunden zu spielen.
Pass links, Pass rechts, Zeit von der Uhr nehmen, aber nicht den Weg zum Tor vergessen.
2 gegen 2 auf links, Stantien knickt um, Muth mit der Lücke und dem 32:30.
Schneller Gegenangriff, vereitelt, Zielke mit dem 33:30 in der letzten Sekunde und seinem 10 Tor in diesem Spiel.

Zusammenfassung: Wir gehen in dieses Spiel als klarer Favorit sowohl was die Tabelle angeht als auch unser Selbstverständnis. Spiele gegen Ajax sind nie angenehm und niemals leicht. Heute aber war es besonders schwer und die Entscheidung kommt zuletzt auch durch das Umknicken eines Gegners und die daraus resultierende hundertprozentige Torchance. Glücklich also. An dieser Stelle nochmal gute Besserung an Sportfreund Stantien.
Wir spielen eine gute Saison und haben uns in der Spitzengruppe der Liga festgesetzt. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir egal welchen Gegner in der Verbandsliga im Vorbeigehen oder auch nur locker schlagen. Dieses Spiel heute hat uns alles abverlangt und schlägt Fortunas Waage auch nur minimal in die andere Richtung aus, dann, ja dann.
Ein Trainer sagte mal zu mir: „Gute Mannschaften müssen auch scheiß Spiele gewinnen.“, nun wage ich nicht zu beurteilen, ob wir eine gute Mannschaft sind, aber wir haben eben ein scheiß Spiel gewonnen. Alles andere ist egal. In dieser Liga gibt es offenbar keine Kleinen. Außer Manu, aber heute war er der Größte. 10 von 10 ist 100% und 1,0 Kisten Bier, wenn meine Kenntnis von der ungeschriebenen Bierbel korrekt ist. Glückwunsch auch dazu und dem ganzen Team zu einem momentan starken 3. Platz, punktgleich mit unserer Hassliebe aus Friedrichshain.

Tore: Zielke (10), Schubert (5), Teske (5), Muth (4), Löprick (4), Wenzel, N. (2), Wenzel, T. (1), Zenker (1)