Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt

Es war Samstag und die Tegeler luden 18:00 zum Stelldichein in die Hatzfeldallee.
Durch die Ferien bedingte Pause hatten beide Vereine 3 Wochen Zeit sich auf dieses Verbandsliga Spiel vorzubereiten.
Man konnte durchaus einen Hauch von Topspiel in der Luft schmecken, denn der Turn- und Sportverein war Dritter der Tabelle, die Hausherren OSL-Absteiger und mit einer hallenlogistisch bedingten Spielknappheit potentiell immer noch in Schlagdistanz zur Tabellenspitze.
Alle Vorzeichen standen also auf Spitzenhandball im Flughafenbezirk.
Alle Vorzeichen? Nein, denn ein kleines gallisches Dorf leistete erbittert Widerstand…ach ne…das war woanders.
Aus Hellersdorf fanden es urlaubs-, krankheits- und verletzungsbedingt unglücklicherweise nur 10 Mann zum Anpfiff.
Mit 2 Torhüter waren wir optimal aufgestellt, mit 8 Feldspielern, darunter 4 gelernte Außen eher nicht so.
Aber meckern hilft ja nichts und niemand fährt gern ans andere Ende der Stadt um dort freiwillig Punkte abzugeben, also Helme auf, Schwerter geschärft und Zaubertrank bereit.
Die Marschroute musste zwangsläufig lauten: Hinten sicher und vorne ruhig, aber effizient.

Anpfiff!
Wir begannen gut und standen, wie auch in den letzten Partien defensiv griffig.
Dem ersten Gegentor nach 38 Sekunden folgte das nächste nach 2:46 und nach 3:54. Vorne passten die Auslösehandlungen der ungewohnten Rückraumkonstellation und es stand nach 7 Minuten 3:3.
Angelehnt an den Gameplan gab es von uns keinerlei erste Welle und die insgesamt sehr guten Schiedsrichter tolerierten sowohl eine gewisse körperliche Härte als auch eine verträgliche Ruhe im Aufbauspiel. Vorne wurden immer wieder Lösungen von den starken Basler, Muth und Lars gefunden und so stand es 10:10 nach 19 Minuten.
Auszeit TuS: Durchschnaufen war angesagt. Die Personaldecke war dünn, das Spiel aber gut. Der Trainer gab uns eine wichtige Auszeit und wies lediglich auf die Wichtigkeit der 100%er besonders in diesem Spiel hin und er hatte Recht.
Gewillt das Bisherige fortzusetzen und das Gesagte umzusetzen fuhr die Partie fort.
Leider gelingt nicht immer was man sich vornimmt und mit ihrer Auszeit hatten die Tegeler die Chance bei noch 24 zu spielenden Sekunden auf 3 Tore zur Halbzeit davon zu ziehen.
Dies gelang durch gutes Verteidigen nicht und so ging das Spiel mit 14:12 in die Pause.

Starke erste Halbzeit bislang. Defensiv gegen spielerisch gut aufgelegte Hausherren oft zur Stelle und mit der nötigen Unterstützung vom und für den Torwart ausgestattet. Offensiv hätte es runder laufen können, aber hätte hätte…wäre Gallien und so…
Die Chancen auf einen Sieg in Tegel waren selbst unter den widrigen Umständen nicht aus der Luft gegriffen.
Also wurde noch einmal an den Kampf und das Herz appelliert. Selten ist der bedingungslose Kampf entscheidend. Hier und heute konnte es das sein.

Wir kamen also aus der Halbzeitpause, und gaben erst mal 3 Tore ab. Die Tegeler Defensive fand bessere Lösungen für unser Angriffskonzept und wir spürten die Angst vor der eigenen Courage.
2-3 Aktionen funktionierten irgendwie, aber bei 19:14 nach 41 Minuten sah das Spiel für unsere Fans nicht mehr ganz so attraktiv aus.
Im Anschluss konnten wir den Rückstand zwischen 3 und 5 Tore halten und folgerichtig kam nach 47:39 die Auszeit.
Jeder wusste wie schwer es jetzt war. 4 Spieler spielten bereits seit eben 47:39 Minuten.
Aber es waren auch nur noch knappe 12 Minuten, also Zähne zusammenbeißen und das Ding hier irgendwie noch wuppen.
Eins wird sicher in den Analen des HVB über TuS Hellersdorf auch in 100 Jahren noch zu finden sein. Aufgeben können sie nicht!
Nach starken Aktionen von Basler, Teske und Muth gibt es beim Stand von 25:23 eine Auszeit für Tegel.
Die Schwerter liegen am Boden, die Schilde sowieso, der Zaubertrank ist so gut wie alle.
Lange ist nicht mehr. Jeder trank noch einen Schluck mehr und atmete noch einmal tief durch, dann ging es zum Showdown.
Angriff abgewehrt und im Gegenzug 25:24 durch Basler…noch 3 Minuten.
Und wieder stand die Abwehr konsequent gegen den Tegeler Rückraum. Links, rechts, Wechsel auf links, 1:1 auf der Mitte und das nicht gut abgedeckte Kreisanspiel. Teske versuchte noch das unmögliche möglich zu machen, aber sah dabei folgerichtig 2-Minuten.
Der fällige 7-Meter war drin und wir durften erst 15 Sekunden vor Spielende wieder auffüllen.
Ab hier gibt es keine Spannung mehr. Unsere Farben versuchten mit dem Mut der Verzweiflung ein schnelles Tor zu erzielen, dies gelang nicht. 2 schnelle Konter von Tegel besiegelten den 28:24 Endstand.

Zusammenfassung: Wir gehen in dieses Spiel mit 3 Rückraumspielern und einem nominellen Kreisspieler. 4 Außenspieler sind im Prinzip in Ordnung, aber bei aller Qualität können auch sie so ein Spiel nicht in den nötigen Situationen entscheidend beeinflussen. Die Abwehr steht seit Wochen wirklich gut, auf sie ist Verlass. Dieses Spiel können wir nicht positiver gestalten, weil die Alternativen bzw. die nötigen Pausen fehlten. Nichts desto trotz lässt dieses Match sehr viel Platz für positive Interpretationen. Wir brauchen uns vor niemanden in dieser Liga zu verstecken oder gar zu fürchten. Die Mannschaft ist taktisch und individuell auf allen Positionen bis ins letzte Glied sehr gut eingestellt und die Stärken der jeweiligen Protagonisten kommen im Miteinader voll zur Geltung. Glückwunsch an Tegel für den hart erkämpften Sieg.
Nächste Woche geht es zuhause im Derby gegen Ajax und dieser an Stelle eine Homage ans Sommermärchen: „Den Sieg lassen wir uns von niemand nehmen, und schon gar net von Ajax.“

Tore: Basler (6/2), Muth (5), Brumm (4), Garlipp (3), Teske (2), Zenker (2)

P.S. An dieser Stelle Glückwunsch an Dome zu 2 Kisten Bier und einem starken Einstand bei 1. Herren.