Es reicht noch nicht

Die 1. Männer unterliegt nach einer kämpferisch guten Leistung gegen den Tabellenführer vom Polizei SV mit 20:25 (11:13) und muss sich am Ende den Vorwurf gefallen lassen, die durchaus vorhandenen Siegchancen zu leichtfertig vergeben zu haben.

Es war wieder einmal angerichtet. Die Halle wieder voller als noch bei den vergangenen Heimspielen, die 2. Männer an den Trommeln, der Kader mit 16 Mann mehr als voll besetzt, der Tabellenführer zu Gast – es war alles bereit für einen schönen und spannenden Handballnachmittag.
Trotz der Außenseiterrolle hatte man sich im Vorfeld durchaus Chancen für dieses Spiel ausgerechnet und wollte schauen, ob man den nächsten Schritt in der Entwicklung gehen kann oder die Spitzengruppe doch noch weiter entfernt ist, als einem lieb sein würde.

Doch der Reihe nach: Das Spiel begann von beiden Seiten zunächst mit Offensivaktion. Bei den Gästen hatte sich PSV Coach Lehmann gut vorbereitet und seine Mannen auf die offensive Abwehrvariante gut eingestellt. Durch einen ständigen Übergang von der rechten Rückraumposition brachten die Hohenschönhausener ständig Unruhe in unsere defensive Zuordnung und fanden somit immer wieder freistehend Groth am Kreis oder gelangen zu einer guten Durchbruchschance. Nicht verwunderlich, dass die 1. Männer also direkt einem kleinen Rückstand hinterherlief (1:2, 5:6, 8:9), sich aber in der Offensive ebenfalls gut vorbereitet zeigte. Hier waren es vor allem Schubert und N. Wenzel, die im Tempospiel immer wieder große Löcher rissen und vollendeten oder nur strafwürdig gestoppt werden konnten.
Nach einer genommenen Auszeit stellte man sich auch defensiv besser auf und konnte somit das Spiel ausgleichen (10:10).
Ärgerlich – und gleichzeitig ein böses Vorzeichen für den restlichen Spielverlauf – war lediglich, dass man noch zu viele Chancen ungenutzt ließ und Bännecke im Gäste Tor ordentlich auf Betriebstemperatur warf. Insbesondere in eigener Überzahl und von den Außenpositionen haperte es doch kräftig, so dass PSV auch sofort wieder zwei Treffer (10:12) vorlegte und diese Führung mit in die Kabine nahm.

In der Ansprache in der Kabine wurde noch einmal auf die defensive Zuordnung bei den Übergängen hingewiesen und angemahnt, die durchaus zahlreich vorhandenen Chancen doch bitte auch zu nutzen. Denn eines war klar, wenn man gegen die starken Polizisten punkten wollte, dann ginge dies nur über eine herausragende eigene Leistung. Bisher lieferte man eine gute Partie ab, doch es fehlte noch das letzte Quäntchen, was gegen die Teams von der Tabellenspitze eben benötigt wird.

Leider setzte sich die Misere vor dem Tor in Halbzeit zwei noch weiter fort. Gefühlt eine Ewigkeit dauerte es bis zum ersten Treffer in Abschnitt zwei. Immer wieder wurden klarste Chancen liegen gelassen und manch einer wird an das Spiel gegen Spandau an selber Stelle gedacht haben, bei dem man ebenso einen Ball nach dem anderen vergab.

Sei es drum. Was die Mannschaft sehr gut machte, war die Umsetzung des Abwehrkonzeptes. Wir waren mittlerweile auf eine 6:0 Deckung gewechselt und schafften es immer wieder, auch die PSV Schützen in schwere Stellungen zu bringen, wodurch Suchantke im Tor eine ähnliche Glanzleistung, wie noch in der Vorwoche zeigen konnte. Dies war der alleinige Grund, warum wir überhaupt noch im Spiel waren (13:15, 16:18). Beide Teams kämpften verbissen um die zwei Punkte, wobei es die Gäste sehr gut verstanden, die 2-3 Tore Differenz als Ruhepolster zu nutzen. Auch durch die vielen Wischer-Einheiten entwickelte sich ein zähes Spiel ohne die letzten handballerischen Finessen, doch wer zwei Teams sehen wollte, die alles für den Sieg geben, der kam voll auf seine Kosten.
Auch der mittlerweile eingesetzte 7. Feldspieler brachte keine wirkliche Besserung in unser Angriffsspiel, auch wenn irgendwann ein paar wenige Bälle ihr Weg in das Tor fanden. Zugegeben: Der Polizei SV machte es auch sehr geschickt. Die Mannen von Patrick Lehmann verdichteten nun das Zentrum und zwangen uns immer wieder zu Würfen von Außen, die Bännecke größtenteils mit sehr gutem Stellungsspiel vereitelte. Und auch unsere Halbpositionen kamen nicht so richtig ins Offensivspiel, weswegen sich viel im Zentrum ballte. Das Spiel war immer noch auf des Messers Schneide und alle Chancen zum Sieg da (18:21), doch in der 55. Minute musste man dann endgültig abreißen lassen. Zwei schnelle Ballverluste waren in dieser Phase zu viel. PSV konterte sicher und schraubte das Ergebnis am Ende bis auf 20:25 in die Höhe.

Fazit: Ein kleiner Beigeschmack bleibt. Über weite Strecken war es ein Duell auf Augenhöhe, bei dem beide Teams phasenweise guten Handball zeigten. Beide Mannschaften hatten dabei ihre Probleme gegen den jeweiligen gegnerischen Torhüter und vergaben massenhaft Chancen. Die Gäste taten dies eben mit all ihrer Cleverness fünfmal weniger. Mehr Unterschiede waren nicht zu sehen, doch dieser Unterschied ist in einem Ergebnissport nun einmal entscheidend. Daher war es auch ein absolut verdienter Sieg für den Polizei SV, der damit die Tabellenführung festigte und im Kampf um die Meisterschaft weiterhin alle Trümpfe in der Hand hat.

Für unsere Mannschaft bleibt der kleine Beigeschmack, dass der Sieg durchaus möglich gewesen wäre, man jedoch an den eigenen Unzulänglichkeiten und den vielen Paraden von Bännecke scheiterte. Das macht die Niederlage etwas bitterer, als es ein doppelter Punktverlust gegen PSV eigentlich sein müsste. Man war nicht weit davon entfernt, eine Spitzenmannschaft zu schlagen, doch es fehlt eben noch der letzte Schritt in der eigenen Entwicklung. Lange Zeit zum hadern bleibt nicht, wartet doch am nächsten Wochenende schon das nächste Brett auf uns.

Und dieses Brett wird ein ganz dickes werden. Die 1. Männer ist zu Gast beim VfV Spandau, der am letzten Wochenende mal eben die Bundesligareserve des Rekordmeisters vom THW Kiel bezwang und in das Halbfinale des DHB-Amateur-Pokals einzog. Herzlichen Glückwunsch dazu!
Die Spandauer um Routinier Zander und Trainer Leyer liegen – bei einem Spiel weniger – zwei Punkte hinter dem PSV auf Platz zwei der Tabelle und wird seiner Favoritenrolle absolut gerecht. In Spandau haben die Hellersdorfer Männer noch nicht ganz so viele Punkte geholt, was sicherlich auch an der imponierenden Heimstärke des VfV liegt.
Alles in allem also keine anderen Vorzeichen, als vor dem Spiel vom vergangenen Wochenende. Vielleicht schaffen die Jungs ja dieses Mal die Überraschung und zeigen eine ähnlich starke Leistung – eventuell nur mit besserer Chancenverwertung.

 

Tor: Suchantke (01. – 60.), Wiegand

Feld: Schubert (10/2), Basler (4/1), Fentz (3), Muth (1), Zenker (1), T. Wenzel (1), R. Fröhlich, N. Wenzel, Löprick, Teske

Strafen: TuS 2 – PSV 5

Strafwürfe: TuS 3/4 – PSV 3/4