Eine Halbzeit im Tiefschlaf – 1. Männer unterliegt verdient in Neukölln

Die 1. Männer unterliegt der HSG Neukölln nach einer indiskutablen Leistung in Halbzeit eins völlig verdient mit 22:30 (8:17) und muss sich insbesondere nach der erheblichen Leistungssteigerung in Abschnitt zwei ärgern, zwei machbare Punkte verschenkt zu haben.

0:4, 0:7, 3:11 und 3:13. Was sich wie das Punktekonto der Fußballer des HSV liest, war in Wirklichkeit der Leistungsnachweis der 1. Männer in den ersten 22 Minuten der Partie am Samstagabend. Man hatte sich viel vorgenommen für das Duell gegen die HSG Neukölln. Nach der Niederlage gegen Spandau am letzten Spieltag wollte man ohne Umschweife wieder in die richtige Spur finden und sich oben in der Tabelle festsetzen. Nun, es hat nicht ganz geklappt.
Doch was war los in diesen ersten Momenten der Partie? Unsere Mannen waren nicht in der Lage die 6:0 Abwehr der Neuköllner in ausreichende Bewegung zu versetzen. Zu behäbig war der Ballvortrag, zu statisch das Angriffsspiel, so dass sich die Gastgeber immer wieder in eine sehr defensive Grundordnung begeben konnten und dort mit einfachem Blockspiel und einem gut aufgelegten Keeper im Kasten jeden Ball abwehrten.
In der eigenen Defensive hingegen war anfangs jeder Wurf der HSG ein Treffer. Torhüter Wiegand, angeschlagen und als einziger Torwart an diesem Spieltag in das Spiel gegangen, konnte keine Akzente setzen und auch die Abwehr fühlte sich nicht bemüßigt, die Schützen besser zu stellen. So kassierten wir relativ einfache Gegentore, die uns wieder in den Angriff trieben. Ein echter Albtraum.

Erst die Maßnahme ins 7:6 im Angriff zu wechseln, brachte uns die ersten eigenen Tore, doch die Defensive konnten wir naturgemäß nicht in Überzahl spielen. Hier bekamen wir zu keinem Zeitpunkt Stabilität, erst als wir in eine 5+1 Deckung gegen Rückraumakteur Sparke gingen. Bezeichnend für Halbzeit eins war die letzte Szene des Abschnittes, bei dem die Neuköllner 8 Sekunden vor Ende den Treffer zum 8:17 markierten und wir es in den verbleibenden Sekunden nicht mal mehr rechtzeitig zum Anwurf schafften.

Die Kabinenansprache geriet den Umständen entsprechende etwas emotionaler. Man kann Handball so spielen, wie wir in der ersten Halbzeit. Dann muss man aber auch in Kauf nehmen, dass das nicht so richtig viel Spaß machen wird. Es ging in dieser Phase auch nicht mehr unbedingt darum, dass Spiel noch zu gewinnen. Vielmehr ging es darum, den mitgereisten Fans und sich selbst nicht so ein Trauerspiel zu bieten. Das darf nicht unser Anspruch sein. In der Abwehr wollten wir auf eine 4+2 Deckung wechseln, um etwas Hektik in das Spiel der Gastgeber zu bringen und im Angriff erstmal wieder auf das 6:6 zurückwechseln. Der Wunsch des Trainers nach mehr Tempo war obligatorisch.

Und siehe da: Es geht, wenn man nur will. Ganz anders präsentierte sich die 1. Männer in Halbzeit zwei und konnte so die Neuköllner langsam vor Probleme stellen. Der Ball wurde nun zügig vorgetragen, so dass beim 12:18 (35.Minute) schon drei Treffer wettgemacht wurden. Über 16:21 arbeitete man sich bis auf 19:22 vor und es waren noch wahnwitzige 13 Minuten zu spielen. Die Tribüne und die Mannschaft waren zum Leben erwacht und gerade die Jungs auf der Platte zeigten, welch hervorragende Handballmannschaft man sein kann. Durch die nun druckvoller gespielten Angriffe konnte man auch mal die eine oder andere Zeitstrafe für den Gegner herausholen und vor allem endlich mit der notwendigen Entschlossenheit in den Abschluss gehen. Die 4+2 Deckung erzeugte den gewünschten Effekt bei der HSG, so dass sich auch Wiegand im Tor steigern konnte.
Doch, und da sind wir wieder beim Anfang des Spiels, wenn man 9 Tore aufholen möchte, muss alles passen. Leider passte nicht alles in dieser zweiten Hälfte. Die Leidenschaft auf dem Feld mündete auch in einigen Zeitstrafen, die wir im Großteil gut wegsteckten, doch irgendwann fing der Gegner wieder an zu treffen. Und so erhöhte der Kontrahent wieder auf 22:27 (52. Minute). Am Ende verließen uns in gewisser Weise auch die Kräfte. Nicht körperlich, da wir hier in Halbzeit eins ja genug Kräfte sparen konnten, sondern eher mental, da jeder Gegentreffer bei so einer Aufholjagd wie ein Nackenschlag wirkt. So konnte man sich leider kein zweites Mal aufbäumen und musste den Gegner bis zum Ende noch auf 22:30 enteilen lassen, weil man schnell den Abschluss suchen musste.

Fazit: Handball ist zumeist ein gerechter Sport. Die Neuköllner gewannen das Spiel auch in der Höhe verdient mit 8 Toren, weil Sie über die gesamte Spieldauer die bessere Mannschaft waren.
Die 1. Männer muss sich natürlich die Frage gefallen lassen, warum man nicht bereits in Halbzeit eins mit dem Handball spielen begann, wäre doch mit einer halbwegs konstanten Leistung sicherlich ein Punktgewinn möglich gewesen. So konnte man nur über 30 Minuten überzeugen, was selbstredend nicht für einen Auswärtssieg reichen kann. Wer sich selbst solch ein Handicap zu Spielbeginn aufbürdet und es nicht schafft, wenigstens etwas Zugriff zum Spiel zu finden, der verliert verdient. Mit 9 Toren darf man im Handball keine Halbzeit verlieren.

In der nächsten Woche geht es in ein richtungsweisendes Spiel gegen die SG NARVA. Die Mannen von Frank Morawetz mussten vor der Saison einige Leistungsträger gehen lassen und gehen den Weg in dieser Spielzeit konsequent über den eigenen Nachwuchs. Umso beeindruckender, dass die junge Mannschaft aktuell auf Platz 4 der Tabelle steht.
Richtungsweisend ist für uns das Spiel für die kommende Zeit in diesem Jahr. Mit einem Sieg hält man den Kontakt an das obere Mittelfeld der Liga, mit einer Niederlage dürfte der Blick eher wieder nach unten gehen.
Und natürlich will man das vergangene Spiel gegen die HSG Neukölln schnell wieder vergessen machen und den sicher wieder zahlreich anwesenden Zuschauern auch über 60. Minuten mitreißenden Handball zeigen.

 

Tor: Wiegand (01. – 60.)

Feld: Schubert (6/1), Odebrecht (5/1), Basler (5), Geißhardt (2), Teske (2), Zenker (2), N. Wenzel, T. Wenzel, Binting, Muth, Löprick

Strafen: TuS 8 – HSG Neukölln 5

Strafwürfe: TuS 2/3 – HSG Neukölln 3/3